[PNN 07.08.2018] Wie Potsdamer ihre Heimat verlieren

Quelle: http://www.pnn.de/potsdam/1308763/

Vor der Heimat kann man nicht flüchten. Was aber, wenn die Heimatstadt einen verlässt? In einem Gastbeitrag nimmt Filmproduzent Peter Effenberg Abschied von Potsdam.

Als ich ein Kind war, hatte ich eines von vier Durchgangszimmern in der Bertinistraße 1. Gegenüber meiner Wohnung lag die Alte Meierei hinter der Mauer. Die Hunde der Grenztruppen bellten des Nachts. Vom Fenster meines Zimmers konnte ich die Segelschiffe des Westens am Schloss Glienicke sehen. Auf der anderen Seite des Hauses lag eine alte Villa, meine Nachbarn behaupteten, sie hätte einst Mendelssohn-Bartholdy gehört und mein Zuhause sei das Gesindehaus gewesen. Dazwischen eine Wiese, die ich als Fußballplatz mit meinen Kumpels nutzte. Zwei zerfallenen Handballtoren flickten wir liebevoll Woche um Woche das Netz. Wenn Schulkamerad Chappi mit straffem Schuss die Latte knallte, fiel das Tor zusammen und musste mit neuen Stöckern gestützt werden. Die alten Stallungen – das, erzählten die Nachbarn, seien sie einst gewesen – direkt an unserem Haus beherbergten einen Konsum. Einmal oben die Treppe runter gucken und die Lage peilen: War der Konsum leer, ging es runter zu Frau Zenke, der Verkäuferin.
Nur wenige Meter die Straße hoch fuhr der Bus der Linie F in die Stadt. Wenn Rudi das Lenkrad steuerte, durfte ich vorne stehen, manchmal die Türen öffnen und davon träumen, später einmal seinem Berufsstand beizutreten. Hinter der Bushaltestelle, am Fuße des Pfingstbergs, erstreckte sich unterhalb des Altenheims mein Indianerwäldchen. Kumpel Huschi lehrte mich das Schnitzen, das Anschleichen und wie man eine Bude baut. Noch im Wald wieder eine Mauer, diesmal beschützte sie die Kaserne der Roten Armee. Wenn ab und zu ein Sowjetsoldat dem Lagerkoller entfloh, standen seine Kollegen bewaffnet in der Gegend herum und warteten, bis er sich stellte oder eingefangen war.

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Amalthea – als der Mond explodierte

Amalthea, Roman von Neal Stephenson

Amalthea – Roman
von Neal Stephenson

Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund. Die Uhrzeit würde man später als A+0.0.0 oder schlicht Null bezeichnen …

05:03:12 Weltzeit. Die Stunde Null. Nach der Explosion des Mondes wütet über Jahrtausende ein Meteoritensturm, der die Erdoberfläche in eine unbewohnbare Wüstenei verwandelt. Um die Menschheit vor der Auslöschung zu bewahren, schickten die Nationen der Erde eine Flotte von Archen ins All. Der Asteroid Amalthea, der ursprünglich zu Forschungszwecken an eine internationale Raumstation angedockt worden war, soll der Kolonie als Schutzschild dienen. Doch das Leben im Weltraum fordert einen hohen Tribut, und die meisten Menschen sterben, bis schließlich nur noch sieben Frauen übrig sind, um eine neue Zivilisation zu begründen. 5000 Jahre später existieren zwei Völker: die Nachfahren derer, die die Katastrophe auf der Erde überlebt haben, sind primitive Siedler; die sieben Stämme der Nachkommen der Sieben Urmütter von der Raumstation hingegen hochkultiviert ― und sie machen sich auf, die Erde zu kolonialisieren …

(Bild- und Text-)Quelle: https://www.amazon.de/Amalthea-Roman-Neal-Stephenson/dp/3442547628

Zufälligerweise bin ich kürzlich auf der digitalen-Ausleihseite meiner örtlichen Bibliothek in Potsdam über dieses Buch von Neal Stephenson virtuell gestolpert. Wie so oft hatte ich ursprünglich etwas anderes als Lesestoff gesucht, aber das Buchthema sprach mich als SF-Fan nach einigen Seiten recht schnell an und so konnte ich gar nicht so einfach meinen Ebook-Reader wieder weglegen.

Wenn der Klappentext beim ersten Überlesen etwas „esoterisch“ und abgehoben klingt, entwickelt sich die eigentliche Geschichte im Buch als sehr spannende Lektüre. Als Leser merkt man recht schnell, das sich der Autor mit dem wissenschaftlichen Hintergründen seines Romanes sehr ausführlich und vorallem detailliert beschäftigt hat. Im Epilog zum Roman geht er darauf vertiefend ein.

Im übrigen ist im Klappentext ein inhaltlicher Fehler enthalten, mal schauen ob Ihr ihn findet …

Anbei noch eine leseswerte Rezension zum Buch von Florian Freistetter auf http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2015/05/28/der-mond-explodierte-ohne-warnung-und-ohne-ersichtlichen-grund-seveneves-von-neal-stephenson/