Die Guten ins Töpfchen …

Letztens habe ich in einer Tageszeitung sinngemäß folgendes gelesen:

… Menschen sind wie Bücher. Manche täuschen dich mit dem Umschlag und einige überraschen dich dann mit dem Inhalt …

Ich stutzte beim Lesen und grübelte darüber nach. Ja, dem ist wohl so. Bei mir selber beobachte ich es ebenso recht häufig. Auf Grund unserer reichlich bebilderten Erfahrungen, welche wir von überall ringsumher aufnehmen, „sortieren“ wir unsere Mitmenschen schon beim ersten Anblick quasi „automatisch“ vor. Frei nach den Grimmschen Märchen: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“
Bevor wir uns also mit unserem Gegenüber tiefer gehend beschäftigen (können), haben wir sie oder ihn bereits fix und fertig in eine unserer vielen (Gedanken-)Schubladen einsortiert.
Oft kommen so die Menschen, die uns vielleicht etwas mitzuteilen hätten oder ein Gewinn für uns wären, gar nicht mehr zu Wort. Sie sind offensichtlich in der „falschen“ Schublade gelandet.

Nachtrag: Kaum habe ich meine Gedanken zu diesem Thema hier niedergeschrieben, da bin ich über diesen Blogbeitrag Sei nicht voreingenommen von In10sivleben gestolpert. Lesenswert.

Das dieses obige Zitat letztlich ’nur‘ aus der Kiste eines dieser Facebook-Bilderzitate-Macher stammt, ging mir erst recht spät auf, aber es kommt ja auf den Inhalt und nicht auf die bebilderte Schublade an. Nicht wahr? 😉

Wenzel: Das Abschminklied

#frei- und quergedacht

Still vom Klatschen und vom Schreien
Über meine derben Witze,
Steh ich plötzlich vor den Reihen,
Einsam, all der leeren Sitze.

Ausgetrocknet sind die Lippen,
Hals und Kopf sind leer gesungen,
Stechend ist in meiner Rippen
Käfig mir mein Herz gesprungen.

Stunden später, müd, beim Feste,
Einen scharfen Schnaps im Glase,
Stierte eine auf die Reste
Schminke über meiner Nase.

Aussatz ziert mich! Einen Narren
Hast du neben dir zu sitzen.
Hoffst, ich zög dir jeden Karren
Aus dem Dreck, mit meinen Witzen.

Freilich könnt ichs! Nur Sekunden,
Da die Augen sich noch drehen
In artistisch großen Runden
Um die Augen, die mich sehen.

Alles, was ich hab, verteil ich,
So erfinde ich mein Glück.
Meine Narrenfreiheit freilich
Ist ein lächerliches Stück.

Wenzel, aus „Das Abschminklied“,
erschienen auf dem Album „Stirb mit mir ein Stück“, 1986

Mehr zu Hans Eckardt Wenzel, seinerPoesie und seine Lieder könnt Ihr auf seiner…

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